Riesenrad auf dem Münchner Oktoberfest

So überlebst du als Nicht-Bayer das Oktoberfest: die Wies’n-Guideline

Es ist wieder soweit: In München heißt es “o’zapft is”! Mittlerweile ist das Oktoberfest so beliebt, dass es nicht nur Münchner auf die Theresienwiese zieht. Auch wenn es auf dem Oktoberfest um Bier und a fetz’n Gaudi geht, herrschen bei uns in Bayern dennoch ein paar Verhaltensregeln. Für uns mögen diese selbstverständlich sein, für manch anderen aber nicht. Hier ein paar Tipps, mit denen du auf der Wies’n nicht ganz so als “Preis’ ” auffällst.

 

Wies’n-Verhaltensregel 1: Tracht in Qualität oder gar nicht!

Wir Bayern lieben unsere Tracht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir sie oft und gerne tragen. So auch auf dem Oktoberfest. Doch schon bei der bayrischen Tracht kann man die ersten Wies’n-Fehler begehen.
Nur weil Einheimische in Lederhosen und Dirndl unterwegs sind, heißt das noch lange nicht, dass das eine Pflicht für jeden ist. Wenn du keine Tracht besitzt, musst du dir auch keine zwingend kaufen. Geh so auf das Oktoberfest, wie du dich am wohlsten fühlst.

Solltest du dich entscheiden in eine Lederhose oder ein Dirndl zu investieren, achte bitte auf gute Qualität. Und nein, das beinhaltet nicht das Plastikdirndl vom Discounter. Wir sehen das und wir finden das ganz ganz schlimm! Zudem sollte ein Dirndl kein Leoparden-Print haben und die Lederhosen sollte nicht in einer Neonfarbe scheinen. Keep it classy!

Weiterer wichtiger Tipp für Frauen: Wie du deine Schürzenschleife trägst, sagt etwas über deinen Beziehungsstatus aus:

rechts vergeben, verlobt, verheiratet
mitte Jungfrau
links Single

 

Wies’n-Verhaltensregel 2: Sei nett zur Bedienung!

Auf dem Oktoberfest solltest du zur Bedienung besonders nett sein, denn sie entscheiden, wann du dein Bier bekommst. Ich weiß, der Bierpreis ist hoch und man will sein Bier schnell, kalt und am besten eine ganze, volle Mass. Wenn das aber mal nicht der Fall sein sollte, ist die Bedienung anzumotzen sicherlich nicht der richtige Weg, um ans Ziel zu kommen. Auch wenn der Krug mal nicht ganz voll ist, es macht keinen Sinn rumzudiskutieren. Die Bedienung macht das sicherlich nicht absichtlich und außer, dass sie von dir genervt ist, bekommst du nicht mehr.

Um die Nerven der Bedienung noch etwas mehr zu schonen, zahle am besten passend. Denn die Bedienung hat schon genug zu tun. Da ist Wechselgeld rauskramen nur noch eine zusätzliche Last.

Kleiner Tipp: Runde den Preis auf. So kannst du auch mal unpassend zahlen.

Bayern werden generell nicht gern von fremden Menschen angefasst. Das gilt auch für die Wiesn-Bedienung. Mit wilden Antippen und Ziehen hast du vielleicht früher von deiner Mama Aufmerksamkeit bekommen, aber auf dem Oktoberfest kriegst du so eher nur eine Watschn und kein Bier.

 

Wies’n-Verhaltensregel 3: Sei vorsichtig mit dem Bier!

Das Bier ist ein essenzieller Bestandteil des Münchner Oktoberfests. Zwar kennt jeder Bier, aber da es in Bayern zu den Grundnahrungsmitteln gehört, sollten auch hier ein paar Dinge beachtet werden.

Natürlich gibt es zum Oktoberfest kein normales Bier, das man so tagtäglich bekommen kann. Für die Wies’n gibt es ein extra Festbier. Dieses ist, dank mehr Stammwürze, stärker im Geschmack, hat aber auch einen höheren Alkoholgehalt. So hat ein “normales” Augustiner, zum Beispiel, einen Alkoholgehalt von 5,2 Promille, die Oktoberfestausgabe 6,0 Promille. Wer also nicht im Bier trinken geübt ist, sollte hier Vorsicht walten lassen.

“Ein Prosit” wird gern auf dem Oktoberfest gesungen und danach wird ordentlich angestoßen. Doch hier sollte nicht übertrieben werden: ein Masskrug mag stabil sein, doch an der falschen Stelle angeschlagen, bricht auch dieser. Und Bayern mögen es eigentlich nicht so gern, wenn Halbstarke ihre Kräfte nicht kennen und die Krüge zerschmettern.

In Bayern gibt es so manch komische Tradition. Beispielsweise eine Mass Bier ohne abzusetzen zu trinken. Doch das mag gelernt sein. Nicht nur der höhere Alkoholgehalt des Bieres kann einem dabei zu schaffen machen, sondern auch schon allein die große Menge Flüssigkeit, die man innerhalb kürzester Zeit in sich hinein trinkt.

So besteht die Möglichkeit, dass wenn man viel starkes Bier trinkt, es auf dem gleichen Weg wieder hinaus will. Das kann auch mal dem härtesten Mann passieren. Doch es sollte nicht mitten im Zelt in einen Masskrug passieren. Erstens trifft es immer noch andere um die sich erbrechende Person herum, zweitens muss den Krug jemand abräumen und spülen und drittens kann man sich vorher auch zum Kotzhügel begeben – sowas kommt ja nicht plötzlich.

 

Wies’n-Verhaltensregel 4: Iss genug!

Auch das Essen gehört zur bayrischen Kultur. Für die Volksfestzeit noch mehr als sonst. Wahrscheinlich um den großen Biergenuss etwas auszugleichen. Daher gilt: ordentliche Grundlage vor der ersten Mass Bier schaffen. Da zählt ein kleiner Salat nicht, es sei denn, es ist ein bayrischer Wurstsalat mit Breze dazu. Meine Empfehlung für eine ordentliche Grundlage: Schweinebraten mit Kartoffelknödel. Eine perfekte Kombination aus Kohlenhydraten und Fett.

Ich rate, auch in regelmäßigen Abständen etwas zu essen. So hast du genug Energie, um weiter auf den Bierbänken zu schunkeln und Spaß zu haben. Meine Empfehlung für einen Snack zwischendurch: eine Steaksemmel.

Vielleicht ist es dir schon aufgefallen: Vegetarisch oder gar vegan ist in Bayern auf einem Volksfest eher schwierig. Meine Empfehlung für die Vegetarier: eine Breze mit Obazda. Lecker und ohne Fleisch.

 

Wies’n-Verhaltensregel 5: Überlass Bayern das Bayrisch reden!

Ich denke, es ist allseits bekannt, dass man in Bayern einen eher ausgeprägteren Dialekt pflegt. Auf diesen sind wir auch sehr stolz. Solltest du ihn auch noch so toll finden, bitte versuch ihn nicht nachzumachen. Bei 95% der Imitatoren hört es sich mehr nach einem akuten Schlaganfall an, als nach Bayrisch. Auch wenn man es oft nicht glauben mag, wir verstehen und können auch Hochdeutsch. Das heißt aber auch nicht, dass du so tun solltest, als würdest du Bayrisch nicht verstehen (es sei denn Deutsch ist nicht deine Muttersprache, aber dann tu dies bitte vorher kund). Dies kommt fast dem lustig machen gleich.

 

Weitere Wies’n-Verhaltensregel:

Die folgenden Punkte sollten eigentlich selbstverständlich sein. Leider wurden mir schon Fragen gestellt, die gezeigt haben, dass es das für manche Personen leider nicht ist.

Also hier ein paar Dinge, die du im Hinterkopf behalten solltest:

Geh früh genug auf die Toilette:

Du wirst leider nicht die einzige Person sein, die ihre Blase erleichtern will und die Anzahl der Toiletten in der Nähe ist begrenzt. Das heißt, die Schlange vor den WCs wird riesig sein und du wirst dort ein Weile warten müssen. Stell dich also früh genug an, damit du nicht in der Reihe wie ein Flamingo von einem Bein aufs andere springen musst.

Keine Souvenirs aus den Zelten mitnehmen

Auch wenn für manchen ein Masskrug ein tolles Souvenir des Oktoberfests darstellt, er ist nicht zum Mitnehmen gedacht! Gleiches gilt für Teller, Besteck, Dekoration, Bänke, Tische und sonstige Dinge, die du in einem Bierzelt findest und die nicht zum Verkauf ausgezeichnet sind. Du klaust ja auch nichts aus einem Restaurant.

Nicht rumpöbeln

Mit dem Alkohol kommen auch die Emotionen auf ein höheres Level. Das sollte aber kein Grund sein, unhöflich zu sein oder gar rumzupöbeln. Immer schön höflich und freundlich bleiben!

Sich an unpassenden Orten zu übergeben

Manchmal mag das letzte Bier zu viel gewesen sein und möchte wieder den Körper verlassen. Meistens passiert das dann auch noch völlig unverhofft. Trotzdem solltest du darauf achten dich nicht an unpassenden Orten wie im Bierzelt, im Garten von Anwohnern, in der U- und S-Bahn oder gar auf deinem Nebenmann zu übergeben. Mein Tipp: eine Notfalltüte dabei haben.

Hier alles nochmal im Überblick:

  1. Tracht
    • Tracht ist kein Muss für Touristen
    • Achte beim Trachtenkauf auf Qualität
  2. Bedienung
    • Nicht rumdiskutieren
    • Passend zahlen
    • Nicht anfassen
  3. Bier
    • Festbier hat mehr Alkoholgehalt
    • Masskrug zerhauen ist uncool
    • Exen kann nicht jeder
    • Nicht in den Krug brechen
  4. Essen
    • Grundlage schaffen
    • Regelmäßig essen
    • Vegan und vegetarisch ist in Bayern nicht stark vertreten
  5. Sprache
    • Nicht versuchen, Bayrisch nachzumachen
    • Nicht über den Dialekt lustig machen
    • Nicht so tun, als würde man Bayrisch nicht verstehen
  6. Weitere Verhaltensregeln
    • Früh genug auf Toilette gehen
    • Keine “Souvenirs” aus den Zelten mitnehmen
    • Nicht rumpöbeln
    • Niemandem in den Garten kotzen etc

 

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