DDR erleben: wo findet man noch Überreste der DDR in Berlin?

Berlin ist wohl einer der Städte, in welchen man die Zweiteilung Deutschlands am stärksten gespürt hat. Schließlich ging die Mauer einmal quer durch die Stadt. Mich interessiert ja diese Epoche der deutschen Geschichte sehr. Vielleicht, weil wir das in meiner kleinen bayrischen Schule nie so intensiv im Geschichtsunterricht durchgenommen haben, oder auch weil es einfach eine Zeit ist, über die man immer noch viel zu wenig weiß.

Auch heute lassen sich immer noch Überbleibsel der DDR in Berlin finden lassen. Neben den Erinnerungen, die überall in Ost-Berlin und entlang des Mauerverlaufs umherschweifen, gibt es auch noch viele Orte, die immer noch Sehenswürdigkeiten aus den Zeiten der DDR sind und nur darauf warten von dir entdeckt zu werden. Hier ein paar meiner Highlights:

Gedenkstätte Berliner Mauer

Eine der einschneidenden Dinge der Zweiteilung Deutschlands war definitiv die Berlin Mauer. In ganz Berlin wurden Familien durch sie getrennt, mancher Orts Menschen aus ihrer Häusern getrieben und die Stadt in Ost und West geteilt. Die Schutz der Mauer kann man schon fast mit Terror gleichsetzen. Um diesen dunklen Stunden zu gedenken und auch um zu informieren, findet man entlang des ehemaligen Mauerverlaufs an der Bernauer Straße die Gedenkstätte Berliner Mauer. Hier findest du viele Informationen und Bilder rundum die Mauer, Fluchtversuchen und Ereignissen an der Mauer. Sehr informativ und jedes Mal wieder berührend!

Gedenkstätte Berliner Mauer  – Infos

Adresse: Bernauer Str. 111

Öffnungszeiten: täglich 08:00 – 22:00 Uhr

Eintritt: kostenlos

Infotafeln an der Gedenkstätte Berlin Mauer im Prenzlauer Berg

Stasigefängnis Hohenschönhausen

Die ehemalige zentralen Untersuchungshaftanstalt des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit ist so gut wie unversehrt in Hohenschönhausen erhalten und dient nicht nur als Informationsort, sondern auch als Gedenkstätte für die Opfer der kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland. Neben den Ausstellungen zur Geschichte der Haftanstalt 1945 bis 1989 und über das System der politischen Justiz und über den Haftort Hohenschönhausen und das System politischer Verfolgung in der DDR, kann man hier auch Führungen mit ehemaligen Häftlingen des Stasigefängnisses machen. Dabei bekommt man tiefe Einblicke in die Methoden der Stasi und das Leben in der Anstalt und auch die eine oder andere Gänsehaut. Ich muss sagen, dass mein Besuch hier einer der berührenden und auch gleichzeitig erschüttertsten war, ich aber diesen Ort nur jedem empfehlen kann, der sich für DDR-Geschichte interessiert.

Stasigefängnis Hohenschönhausen – Infos

Adresse: Genslerstraße 66

Öffnungszeiten: täglich 09:00 – 18:00 Uhr

Eintritt: 6 €

Stasimuseum

Das Haus 1 des zentralen Komplexes des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg, in dem das Stasimuseum beheimatet ist, ist spätestens aus dem Film „Das Leben der Anderen“ oder der Serie „Weissensee“ bekannt. Im Museum kann man sich zur Tätigkeit der Staatssicherheit, zu unterschiedlichen Aspekten des politischen Systems und zu Widerstand und Opposition in der DDR informieren und auch das Original-Arbeitszimmer vom letzten amtierende Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, begutachten. Hier kann also ein bisschen auf die andere Seite der DDR schauen.

Stasimuseum – Infos

Adresse: Normannenstraße 20/Haus 1

Öffnungszeiten: Montag – Freitag: 10:00 – 18:00 Uhr, Samstag + Sonntag: 11:00 – 18:00 Uhr

Eintritt: 8 €

Checkpoint Charlie

Der Checkpoint Charlie war einer der wichtigsten Berliner Grenzübergänge vom sowjetischen und den amerikanischen Sektor. Auch, wenn man hier heutzutage keine Grenzkontrollen durchlaufen muss, kann man hier noch eine Nachstellung des Kontrollhäuschens besichtigen. In den angrenzenden Flächen gibt es mehrer Freilicht-Ausstellungen. Themen sind dabei die zahlreichen Fluchten am Grenzübergang, die Bedeutung des Checkpoint Charlie und Erinnerungsort zur innerdeutschen Trennung. Ebenfalls dort lässt sich das Mauermuseum finden, das dort schon 1963 eröffnet wurde. Es dokumentiert die Geschichte der Mauer und alles was damit in Verbindung steht.

Checkpoint Charlie & Mauermuseum – Infos

Adresse: Friedrichstraße 43-45

Öffnungszeiten: täglich 09:00 – 20:30 Uhr

Eintritt: 14,50 €

Tränenpalast

Der Tränenpalast ist eigentlich die ehemalige Ausreisehalle am Grenzbahnhof Friedrichstraße. Die Halle hat den Beinamen bekommen, da sich hier die Leute meist tränenreich voneinander verabschieden mussten. Denn im Tränenpalast befanden sich die Kontroll- und Abfertigungsschalter der Grenztruppen der DDR. Seit 2011 findet man in diesem denkmalgeschützten Gebäude die Dauerausstellung „Alltag der deutschen Teilung“.

Tränenpalast – Infos

Adresse: Reichstagufer 17

Öffnungszeiten: Montag – Freitag: 09:00 – 19:00 Uhr, Samstag + Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr

Eintritt: kostenlos

Bösebrücke

Die Bösebrücke ist einer der weniger bekannten, aber sehr wichtigen Orte der deutschen Wiedervereinigung. Warum? Hier wurde der Grenzübergang als erstes geöffnet. Am östlichen Ende der Brücke finden sich dazu auch interessante Informationstafeln.

Kleine Info am Rande: Im Frühling lassen sich auch unter der Brücke die Kirschblüten bewundern.

Blick auf die Bösebrücke im Sonnenuntergang

Karl-Marx-Allee

Die Karl-Marx-Allee ist bis heute eine wichtige Straße in Berlin. Auch zu DDR-Zeiten war diese Straße von Bedeutung. Heute kann man entlang ihr noch die verschiedenen Bauphase dieser Zeit bewundern: die Laubenganghäuser, der sozialistische Realismus und die „nachgeholte Moderne“. Ich persönlich mag am liebsten die Fassaden der sogenannten Arbeiterpaläste rund um den Straßburger Platz.

Architektur in der Karl-Marx-Allee in Berlin
Blick aufs Frankfurter Tor

Platz des Volksaufstands von 1953

1953 gingen die Leute der DDR auf die Straße, um ihre Stimme für ihre Rechte am Arbeitsplatz, aber gleichzeitig auch gegen das etablierte menschenrechtsunwürdige System der DDR zu erheben. Der Aufstand wurde jedoch vom Regime blutig niedergeschlagen. In Gedenken zum 60. Jahrestages dieses traurigen Ereignis wurde 2013 der Platz vor dem Bundesministerium für Finanzen umbenannt. Dort findet man Informationstafel rund um den Aufstand 1953.

Mosaik am Platz des Volksaufstands
Infotafeln am Platz des Volksaufstandes

Café Moskau

Das Café Moskau war zu DDR ein beliebter Treffpunkt. Nicht, weil es dort klassisch russische Küche gab, sondern auch weil die Architektur sehr besonders ist. Denn die Atriumbauweise, das Mosaik im Eingangsbereich, der Schriftzug oder auch der Sputnik auf dem Dacht sind nicht gerade alltäglich. Heutzutage ist das Café Moskau die Heimat einer Eventagentur.

Café Moskau – Infos

Adresse: Karl-Marx-Allee 34 

Café Moskau bei Dämmerung

Kino International

Gegenüber vom Café Moskau liegt das Kino International. Zu DDR-Zeiten feierten hier viele internationale Filme ihre Premiere, zu welchen sich auch manche Mitglieder des Politbüros blicken ließen. Da es nur einen Kinosaal gibt, ist die Auswahl an Filmen meist begrenzt. Aber schon allein ein Drink im Foyer ist einen Besuch wert.

Kino International – Infos

Adresse: Karl-Marx-Allee 33

Programm

Kino International bei Dämmerung

Gethsemanekirche

Die Gethsemanekirche im Prenzlauer Berg ist wahrscheinlich einer der unbekannteren Orte der DDR-Geschichte. Trotzdem war er ausschlaggebend für die Revolution. Denn hier haben ab Oktober 1989 viele Mahnwachen und Diskussionsveranstaltung stattgefunden. Nach den gewalttätige Übergriffen bei den Demonstrationen am 7. Oktober 1989, bei welchen viele Zuflucht in genau dieser Kirche fanden, forderte der Bischof die kurz darauf die DDR-Führung auf, demokratischer und rechtsstaatlicher zu werden. Im November fand hier auch das berühmte Konzert mit dem Beifall „Die Mauer muss weg“ statt.

Gethsemanekirche – Infos

Adresse: Stargarder Str. 77

Gethsemanekirche Prenzlauer Berg

Berliner Mauerweg

Die Mauer hat nicht nur Berlin in der Innenstadt zweigeteilt, sondern auch das ganze Land in Ost und West. Heute kann man den ehemaligen Verlauf der Mauer um Berlin bewandern. Ich hab einen Teil davon dieses Jahr mit dem Fahrrad befahren. Auf dem Mauerweg findet man alle paar Meter interessante Infos, Gedenkstätten und Orte mit geschichtlichen Ereignissen rund um die Mauer. Dabei lernt man noch das eine oder andere, das man zuvor nicht gewusst hat.

Mehr Infos zum Mauerweg findest du hier ->

Todesgedenktafel am Berliner Mauerweg
Erinnerungsschild an die innerdeutsche Grenze

Museum Pankow

Das Museum Pankow liegt im Prenzlauer Berg und bietet tiefe Einblicke in den Stadtteil vor der Wende. Von Bildmaterial bis hinzu persönlichen Briefen und Filmausschnitten bietet das Museum viel Informationen in den Alltag in der DDR und den Wandel des Prenzlauer Bergs nach der Wende.

Museum Pankow – Infos

Adresse: Prenzlauer Allee 227-228

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag: 10:00 – 18:00 Uhr

Eintritt: kostenlos

Ausstellung im Museum Pankow

East Side Gallery

Die East Side Gallery ist wohl eines der bekanntesten Überbleibsel aus der DDR-Zeit in Berlin. Die Open-Air-Galerie ist das längste noch erhaltene Stück der Berliner Mauer. Schon kurz nach der Wende haben hier Künstler aus allen Herren Länder begonnen die Beton-Reste zu bemalen. Kurz darauf wurde die East Side Gallery unter Denkmalschutz gestellt.

East Side Gallery – Infos

Adresse: Mühlenstraße 3-100

Öffnungszeiten: ganztägig

Eintritt: kostenlos

DDR Museum

Der Vollständigkeit halber kann man auch noch im DDR Museum diese Zeit durchleben. Hier kannst du eine virtuelle Tour durch Berlin in einem Trabi machen, den Vergleich von klassischen Ost- und West-Gegenständen sehen und auch Zeitzeugen anhören.

Ich muss jedoch gestehen, dass ich von dem Museum etwas mehr erwartet hatte. Solltest du jedoch mit dieser Thematik noch so gut wie gar nicht in Verbindung gekommen sein oder du möchtest einfach nur in Nostalgie schwelgen, dann ist es perfekt.

DDR-Museum  – Infos

Adresse: Karl-Liebknecht-Str. 1

Öffnungszeiten: täglich 09:00 – 21:00 Uhr

Eintritt: 9,80 €

Comments (2)

Hallo Theresa, der Bericht ist absolut klasse und super ausführlich!
Berlin sollte das Ziel jeder Klassenfahrt sein, sobald das Thema behandelt wird. Für mich war es immer schwer vorstellbar in der Schule. Viele Grüße, Sabine

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