Als Wahl-Berlinerin hab ich von meinen Freunden aus der Heimat schon so oft die Frage bekommen: “Was müssen wir unbedingt in Berlin anschauen?”. Natürlich kann ich da hunderte Orte und Plätze nennen, die ich hier liebe. Dazu findet man online noch tausende Blogbeiträge und Reiseführer mit den Top-Dingen, die man in Berlin tun sollte. Machne davon kenne ich auch nicht. Aber wer kennt schon alles in Berlin? Deswegen mach ich mich auch noch oft auf, um etwas neues auszuprobieren und zu entdecken. Dabei kann es aber mal vorkommen, dass ich nach gefühlt stundenlange Anfahrt enttäuscht bin. Wenn ich davon dann meinen Berliner Freunden erzähle, gabs auch schon mal das typische “Hätte ich dir gleich sagen können”.

Damit auch du nicht in die typischen Touristen-Enttäuschungen kommst, habe ich 4 Berliner Reiseblogger, die schon ihr ganzes Leben hier verbringen gefragt, welche Orte sie tunlichst vermeiden und welche sie stattdessen empfehlen.

Steffi von reiselustundfernweh.de:

“Köpenick statt Ku’damm”/h2>

Wenn es um Shoppingadressen in Berlin geht, so gilt der Kudamm als eine der wichtigsten Orte überhaupt. Keine Frage, er beherbergt so gut wie alle Modelabels und dabei spielt es keine Rolle, ob für den kleinen oder großen Geldbeutel. Dennoch zieht es mich als waschechte Berlinerin eher selten dorthin. Die Menschenmassen, die sich tagtäglich durch die Straßen drängeln, lassen in mir nur wenig Freude aufkommen.

Wie wäre es anstelle des Kudamms mit der Bölschestraße im Stadtteil Köpenick? Die 1,3 Kilometer lange Bummelmeile wurde nach dem Dichter Wilhelm Bölsche benannt und schlängelt sich vom S -Bahnhof Friedrichshagen bis hin zum Müggelsee. Was gibt es Schöneres als nach einem ausgiebigen Shoppingtag am See zu entspannen? Eben. Was ich an der Bölschestraße besonders liebe? Die vielen  individuellen Läden und einzigartigen Häuserfassaden.

Kudamm - Blick auf Gedächtniskirche und Europacenter
Kudamm Berlin

Gregor von imostenwasneues.de:

“Radfahren statt Mauerpark”

Der Mauerpark, wer hat nicht von ihm gehört? Als Berlin-Tourist kommt kaum umhin, von diesem Ort aus unerfindlichen Gründen angezogen zu werden. Mit seinen Flohmärkten bietet er ein nettes Ambiente. Doch wer aus seiner Zeit wirklich etwas machen will, ist gut beraten sich ein Fahrrad zu leihen und die Stadt zu erkunden. Das ist sogar einfacher als gedacht, denn der Europaradweg R1 führt euch vom Fernsehturm bis zu Berlins größtem See, dem Müggelsee.

Auf dieser ganztägigen Radtour kommt ihr in den Genuss mehrerer Parks in Berlin und gewinnt einen Eindruck, den höchstwahrscheinlich 98% aller Berlin-Touristen nicht zu Gesicht bekommen. Auf der Radtour werdet ihr die East Side Gallery besuchen, die berühmte Oberbaumbrücke über die Spree überqueren, dem riesigen Sowjetdenkmal im Treptower Park begegnen, an einem stillgelegten Park vorbei durch den Plänterwald düsen, eine Fähre auf der Spree nutzen, die Wuhlheide durchfahren, eine Altstadt besichtigen und schlussendlich in den Müggelsee springen. Wenn das nichts ist?

Müggelsee Berlin

Susanne von vonortzuort.reisen:

“Kiezbude statt Curry36”

Bis heute verstehe ich nicht, warum es Touristen zu Curry 36 zieht. Gut, sie haben wirklich ein gutes Werbekonzept, dass Touristen anzieht. Okay, die Wurst schmeckt auch nicht schlecht. Aber ist es wirklich die Currywurst in Berlin?

Wenn man durch Berlins Straßen zieht, findet man an vielen Ecken Currywurst Buden. An einigen bekommt man Pommes, die genau seinem persönlichen Geschmack entsprechen. An anderen Buden ist die Currysoße einfach ein Traum und an der dritte Bude ist die Wurst einfach klasse. Ja und manchmal hat man seine persönliche Lieblings-Currywurstbude gefunden und an dem Tag des Currywurst Heißhungers steht eine Vertretung hinter dem Tresen und schon schmeckt alles anders.

Mein Tipp – sucht euch eine Bude in eurem Kiez. Sucht euch die Berliner Bude mit Herz, an der sich der Kiez trifft – wo die Mutter mit Kinderwagen neben der Oma am Rollator steht, wo auch mal ein paar Pommes mehr auf dem Teller landen, als bei anderen und wo die Berliner Schnauze einem zum Grinsen bringt. Dann schmeckt es am Besten!

Curry36 am Zoologischen Garten Berlin

Dietmar von cubanews.de:

“Charlottenburg statt Museumsinsel”

Die Museumsinsel beherbergt die wohl berühmtesten Museen Berlins. Allerdings stauen sich dort die Touri-Busse, es wird unheimlich viel gebaut und aktuell ist immer weniger zu sehen.

Deshalb lohnt es sich, auch mal außerhalb von Mitte zu schauen. Und dabei springt einen Westberlins alter Museumsstandort um das Charlottenburger Schloss quasi schon an: 7 Museen in zentraler Lage, Kunst und Geschichte vereint und so hochkarätig, dass andere Städte sich die Finger danach lecken würden:

  • Sammlung Scharf Gerstenberg: fokussiert auf fantastische Kunst von Goya über Dali und Magritte bis zu Max Ernst.
  • Museum Berggrün: mehr als Hundert Picassos aller Schaffensperioden, Paul Klee, Matisse und Giacometti gibt es dort zu sehen.
  • Das Bröhan-Museum: Jugendstil und Art Deco in allen seinen Ausprägungen, von Möbeln über Bilder bis zu Porzellan. (1. Mittwoch im Monat Eintritt frei)
  • Schloss Charlottenburg: die Sommerresidenz der Könige von Preußen, in alter Pracht wiederhergestellt.
  • Belvedere im Schlossgarten: wertvolles Porzellan der Königlichen Porzellanmanufaktur (KPM)
  • Abgusssammlung Antiker Plastiken: Gibsabgüsse der berühmtesten klassischen Statuen, Eintritt frei.
  • Museum Charlottenburg-Wilmersdorf: eher etwas für Spezialisten, beschäftigt sich das Museum mit der Vermittlung der Regional- und Alltagsgeschichte des Bezirks, der lange Zeit die reichste Stadt Preußens war.
  • Und zu guter Letzt noch der Schlossgarten: der Landschaftspark lädt zum Verweilen und Spazieren nach dem Museumsbesuch ein.

Danach dann etwas fürs leibliche Wohl, ins älteste russische Restaurant Berlins, den Samowar – oder auch zum Brauhaus Lembke, da gibt es leckere Berliner Küche und Craft Biere aus eigener Brauerei.

Berlin Dom
Lustgarten Berlin Museumsinsel
Ortsschild Berlin Treptow-Köpenick

Du hast auch noch Tipps? Dann immer her damit!